Symbolbild T.Kraus

Region / Keis Düren; Deutsche und niederländische Ermittler erzielen mit Unterstützung von Europol in einer groß angelegten Durchsuchungsaktion wichtige internationale Ermittlungserfolge. Ein Großeinsatz von 450 Ermittlern von Polizei und Zoll richtete sich heute (Mittwoch, 07.10.2026) gegen ein international agierendes, mutmaßliches Geldwäschenetzwerk. Rund 40 Objekte in mehreren Bundesländern wurden durchsucht, drei Tatverdächtige festgenommen und mehrere Fahrzeuge, Gold sowie ein hoher fünfstelliger Eurobetrag sichergestellt.

Dem Zugriff gingen mehrjährige Ermittlungen voraus, in die unter Federführung der Staatsanwaltschaft Köln und der Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern auch die Gemeinsame Finanzermittlungsgruppe Bundeskriminalamt (BKA) / Zollkriminalamt (ZKA) sowie das Zollfahndungsamt Essen einbezogen waren. Heute wurden rund 40 Wohn- und Geschäftsräume, u.a. in Köln, Wuppertal, Leverkusen, Gelsenkirchen, Viersen, Berlin sowie im niederländischen Friesland durchsucht. Zeitgleich fand in diesem Zusammenhang eine Durchsuchung in der Nähe von Rotterdam (NL) statt, die in enger Zusammenarbeit mit EUROPOL im Vorfeld der heutigen Durchsuchungen koordiniert wurde.

Ermittlung nach Gold- und Bargeldfund in Niederbayern

Ausgangspunkt der Ermittlungen durch die Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern war ein Gold- und Bargeldfund auf der BAB A 3 im Rahmen einer verdachtsunabhängigen Kontrolle durch die Verkehrspolizeiinspektion Deggendorf Ende Oktober 2023. Bei der Kontrolle eines Fahrzeugs fanden die Fahnder versteckt in einem eigens dafür präparierten Fahrzeug aus dem Raum Dortmund über 55 kg Gold und knapp eine halbe Million Euro Bargeld. Sowohl gegen den damals 60-jährigen türkischen Fahrer als auch seiner damals 42-jährigen türkischen Mitfahrerin erging auf Antrag der Staatsanwaltschaft Regensburg Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts der Geldwäsche. Mit Urteil des Landgerichts Regensburg wurden in diesem gesonderten Verfahren Gold und Bargeld im Wert von über vier Million Euro rechtskräftig eingezogen.

Bezugsmeldung:

Im Zuge der weiteren, umfangreichen kriminalpolizeilichen Ermittlungen zur Herkunft des Gold- und Bargeldfundes geriet sodann eine überwiegend türkischstämmige Tätergruppierung mit Bezügen ins Ausland in den Fokus der Strafverfolgungsbehörden. Im Rahmen weiterer Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Regensburg konnten im Februar 2026 bei Personen der im Verdacht stehenden Tätergruppierung in Köln über fünf Kilogramm Goldschmuck durch Kräfte des Zollfahndungsamtes Essen sichergestellt werden.

Die Ermittlungen verdichteten sich im Folgenden zunehmend in Richtung Nordrhein-Westfalen, weshalb die Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen im Gesamtkomplex übernahm. Die polizeilichen Ermittlungen wurden weiterhin federführend von der Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern in enger Abstimmung mit zahlreichen weiteren Polizei- und Zollbehörden geführt. Während der umfangreichen Ermittlungen erfolgte eine enge und intensive Zusammenarbeit unter anderem mit den Polizei- und Zollkräften in Nordrhein-Westfalen.

Im Fokus dieser Ermittlungen stehen mehrere türkischstämmige Männer im Alter von 43 bis 59 Jahren, denen vorgeworfen wird, sich zu einer arbeitsteilig agierenden Tätergruppierung zusammengeschlossen zu haben, um fortgesetzt Geldwäsche- und Schmuggelstraftaten zu begehen.

 

Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen soll die Gruppierung Geldwäschehandlungen als Dienstleistung für Dritte angeboten (auch bezeichnet als "Crime-as-a-Service") und dabei jährlich aus Straftaten stammendes Bargeld in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags verschleiert und unter Umgehung staatlicher Kontrollen in die Türkei transferiert haben.

Modus Operandi

Nach den bisherigen Ergebnissen der Ermittlungen stammen die illegal erlangten Vermögenswerte aus unterschiedlichen Arten krimineller Handlungen, überwiegend aus dem Handel mit Betäubungsmittel.

Die Gruppierung steht hierbei in Verdacht, die Weisung zum Geldtransport von verschiedenen Auftraggebern zu erhalten. Nach Abholung der inkriminierten Vermögenwerte wird das Bargeld dem bisherigen Ermittlungsstand zufolge zunächst unter anderem zum Ankauf von Alt- und Schrottgold bei involvierten Juwelieren verwendet. Dabei bediente sich die Gruppierung nach bisherigen Erkenntnissen einer Vielzahl von Juwelieren mit einem Schwerpunkt in Köln und Nordrhein-Westfalen. Die heutigen Durchsuchungsmaßnahmen betrafen u.a. Juweliere in Köln, Düsseldorf, Leverkusen, Wuppertal, Viersen und Berlin. Das Gold soll anschließend gemeinsam mit weiterem, mutmaßlich inkriminiertem Schmuck gezielt eingeschmolzen und zu Schmelzgoldbarren verarbeitet worden sein.

Diese Schmelzgoldbarren sollen in der Folge auf verschiedenen Wegen, sowohl auf dem Land- als auch auf dem Luftweg von Deutschland in die Türkei verbracht worden sein. Bei dem Transport auf dem Landweg wurden dabei speziell präparierte Fahrzeuge verwendet. Im Zentrum dieser Aktivitäten steht ein 45-jähriger Tatverdächtigter, der in Übach-Palenberg (Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen) einen Gewerbebetrieb führt.

In der Türkei wurden die Schmelzgoldbarren nach derzeitigen Erkenntnissen weiterverarbeitet oder zum Ankauf hochwertigen Goldschmucks verwendet. Nach den bisherigen Erkenntnissen wurde anschließend die Auszahlung der entsprechenden Vermögenswerte an die Auftraggeber veranlasst. Zudem soll ein Teil des in der Türkei erworbenen Goldschmucks oder der aufbereiteten Goldbarren anschließend unter Umgehung der zollrechtlichen Einfuhrbestimmungen wieder nach Deutschland verbracht und den tatbeteiligten Juwelieren für deren finanziellen Auslagen übergeben worden sein.

Die auf diese Weise in die Türkei verbrachte Menge an Gold über einen Zeitraum von sechs Jahren beträgt mutmaßlich zwischen über einer Tonne bis zu vier Tonnen mit einem ungefähren Wert von insgesamt 55 Millionen bis 210 Millionen Euro.

Bereits Anfang September 2026 verbuchte die Gemeinsame Finanzermittlungsgruppe BKA/ZKA in einem weiteren Verfahrenskomplex einen Ermittlungserfolg. In Hamm in Nordrhein-Westfalen konnte ein 59-jähriger Tatverdächtiger festgenommen werden, der ebenfalls im Verdacht steht, Geldwäschehandlungen im großen Stil ausgeführt zu haben und auch in Kontakt mit dieser türkischen Tätergruppierung stand.

Während desselben Zeitraums ermittelten unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Rotterdam Ermittler der Seehafenpolizei Rotterdam gegen einen mutmaßlichen illegalen Finanzvermittler ("Underground-Banker"), bei dem der Verdacht bestand, dass er der bereits erwähnten türkischen Tätergruppierung angehörte. Dieser soll am Empfang und Versand größerer Bargeldbeträge in Höhe von etwa 60 Millionen Euro an weitere Mitglieder der Gruppierung beteiligt gewesen sein. Zudem wird davon ausgegangen, dass er engen Kontakt zu den im Rahmen der deutschen Ermittlungen genannten Tatverdächtigen unterhielt.

Dies führte zu mehreren Treffen zwischen den deutschen und niederländischen Ermittlungsgruppen sowie EUROPOL, um einen gemeinsamen Aktionstag zu koordinieren.

Ergebnis der Durchsuchungsmaßnahmen

Im Rahmen der heute vollstreckten rund 40 Durchsuchungsbeschlüsse wurden zahlreiche digitale Datenträger und schriftliche Unterlagen sowie Bargeld im hohen fünfstelligen Eurobereich sichergestellt. Darüber hinaus wurden etwa 800 Gramm Schmelzgold, eine Schmuggelweste und ein Schmuggelgurt, in denen mutmaßlich Gold transportiert wurde, sowie insgesamt zwölf Fahrzeuge und ein Motorrad sichergestellt. Bei zwei der Fahrzeuge wurden professionell verbaute Schmuggelverstecke festgestellt.

Zudem wurden drei Haftbefehle gegen Haupttatverdächtige der mutmaßlichen Gruppierung vollstreckt. Bei den festgenommenen Beschuldigten handelt es sich um einen 46-jährigen türkischen Staatsangehörigen aus dem Raum Wuppertal, einen 45-jährigen türkischen Staatsangehörigen aus Übach-Palenberg (NRW) sowie einen 43-jährigen türkischen Staatsangehörigen aus dem Raum Remscheid (NRW). Im Verfahrenskomplex wird gegen insgesamt 24 Beschuldigte ermittelt.

Die festgenommenen Tatverdächtigen werden im Laufe des heutigen Tages den zuständigen Ermittlungsrichtern vorgeführt.

Mit den heutigen Durchsuchungsmaßnahmen gingen gleichzeitig umfangreiche vermögensabschöpfende Maßnahmen einher. Insgesamt acht der zwölf sichergestellten Fahrzeuge werden gepfändet sowie eine Zwangssicherungshypothek in Höhe von zwei Millionen Euro eingezogen.

Die weiteren Ermittlungen, insbesondere zur Beteiligung weiterer Personen sowie zu den jeweiligen Transport- und Zahlungswegen, werden durch die Kriminalpolizei Niederbayern, das BKA, den Zoll und weiteren Behörden der Länder und des Bundes unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Köln geführt. Die Ermittlungen werden aufgrund des Tatverdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung, der banden- und gewerbsmäßigen Geldwäsche sowie wegen gewerbsmäßigen Schmuggels geführt.

Die umfangreichen Ermittlungen dauern an. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Betroffene Gemeinden Kreis und oder Städte: NIEDERBAYERN, WUPPERTAL, WERDOHL, ÜBACH-PALENBERG, FINNENTROP, BERGNEUSTADT, ALSDORF, VIERSEN, REMSCHEID, LÜNEN, KÖLN, KREIS DÜREN, LEVERKUSEN, GLADBECK, GELSENKIRCHEN, KAARST, DÜSSELDORF, BERLIN, LKR. FRIESLAND, ROTTERDAM (NL).

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