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Kreis Düren: Wie steht es eigentlich um die Wirtschaft im Kreis Düren? Die Antwort fällt derzeit nicht eindeutig positiv oder negativ aus. Einerseits zeigen aktuelle Zahlen eine angespannte wirtschaftliche Situation, steigende Arbeitslosigkeit und eine zurückhaltende Nachfrage der Unternehmen nach neuen Mitarbeitern. Andererseits laufen im Kreis Düren gleichzeitig einige der größten Zukunftsprojekte der vergangenen Jahrzehnte.

Der Kreis befindet sich mitten in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Der Ausstieg aus der Braunkohle verändert die Region, während gleichzeitig neue Schwerpunkte in den Bereichen Energie, Wasserstoff, Forschung, nachhaltige Industrie und Digitalisierung entstehen sollen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Kann die Region die wirtschaftliche Lücke schließen, die durch den Strukturwandel entsteht?

Aktuell ist die Lage eher schwierig

Ein Blick auf die Unternehmen zeigt zunächst wenig Anlass für Euphorie.

Im aktuellen Konjunkturbericht der IHK Aachen bewerten im Kreis Düren nur 23 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, während 26 Prozent von einer schlechten Lage berichten. Der daraus errechnete Saldo liegt bei minus drei Punkten.

Noch vorsichtiger fällt der Blick nach vorne aus: Lediglich 17 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, während 24 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Der Erwartungssaldo liegt damit bei minus sieben Punkten.

Besonders deutlich wird die Zurückhaltung bei der Ertragslage: Hier stehen 16 Prozent mit positiver Einschätzung 41 Prozent mit negativer Bewertung gegenüber.

Das bedeutet: Die Unternehmen im Kreis Düren befinden sich derzeit nicht in einer Boomphase.

Auch der Arbeitsmarkt steht unter Druck

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt passt zu diesem Bild.

Im Jahresdurchschnitt 2025 waren im Kreis Düren 11.324 Menschen arbeitslos, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort Kreis Düren leicht auf rund 90.365.

Im Sommer setzte sich die angespannte Entwicklung fort. Im Juli 2026 lag die Arbeitslosenquote im Kreis Düren bei 7,9 Prozent. 11.810 Menschen waren arbeitslos gemeldet. Gegenüber Juni bedeutete das einen Anstieg um 430 Personen.

Im Juni hatte die Quote noch bei 7,6 Prozent gelegen.

Das ist allerdings nicht ausschließlich ein Zeichen für eine schwache Wirtschaft. Der Kreis steht gleichzeitig vor einem erheblichen Fachkräfteproblem.

Kurioses Problem: Arbeitslose und offene Stellen passen nicht zusammen

Auf der einen Seite suchen Menschen Arbeit, auf der anderen Seite suchen Unternehmen dringend Beschäftigte.

Nach Angaben des Kreises Düren waren im September 2025 insgesamt 1.733 Stellen am ersten Arbeitsmarkt gemeldet. Besonders gefragt waren Mitarbeiter in Verkehr und Logistik, Gesundheitsberufen, Handel, Fertigung und Bau. Gleichzeitig passen die Qualifikationen vieler Arbeitsloser nicht zu den Anforderungen der Unternehmen.

Das ist eines der zentralen Probleme der kommenden Jahre.

Es geht also nicht nur darum, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Region muss auch dafür sorgen, dass die Menschen über die passenden Qualifikationen verfügen.

Der Braunkohleausstieg ist die große Herausforderung

Über der wirtschaftlichen Entwicklung des Kreises steht eine Veränderung, die deutlich größer ist als einzelne Unternehmensentscheidungen: der Abschied von der Braunkohle.

Der Ausstieg bis spätestens 2030 bedeutet für das Rheinische Revier den Verlust von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung. Nach Angaben der Zukunftsagentur Rheinisches Revier geht es allein im weiteren Umfeld um 15.000 bis 30.000 Arbeitsplätze, die ersetzt beziehungsweise neu geschaffen werden müssen. Die wegfallende Wertschöpfung wird mit etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro pro Jahr angegeben.

Das zeigt die Größenordnung der Aufgabe.

Der Kreis Düren muss also nicht lediglich einige neue Unternehmen ansiedeln. Es geht darum, eine komplette Wirtschaftsstruktur neu aufzustellen.

Gleichzeitig entstehen neue Zukunftsbranchen

Und genau hier wird das Bild interessanter.

Der Kreis Düren hat bereits mehrere große Projekte auf den Weg gebracht, die den wirtschaftlichen Wandel unterstützen sollen. Dazu gehören unter anderem der Brainergy Park in Jülich, das Innovationsquartier mit der Modellfabrik Papier, das Center of Vertical Mobility sowie die geplante gewerbliche Entwicklung der ehemaligen Tagesanlagen Hambach.

Besonders der Brainergy Park könnte langfristig eine wichtige Rolle spielen.

Das interkommunale Gewerbegebiet umfasst rund 52 Hektar und konzentriert sich auf neue Energien und die Energiewende. Im Zentrum steht der rund 9.700 Quadratmeter große Brainergy Hub für Innovation und Gründungen.

Bereits 2024 arbeiteten dort rund 200 Menschen. Damals wurde als Ziel genannt, innerhalb von fünf Jahren knapp 1.700 Beschäftigte und innerhalb von zehn Jahren rund 4.000 Beschäftigte zu erreichen.

Sollte diese Entwicklung tatsächlich eintreten, wäre das für den Kreis Düren ein erheblicher Beschäftigungsimpuls.

Wasserstoff als Hoffnungsträger

Ein weiterer Schwerpunkt ist Wasserstoff.

Im Brainergy Park soll grüner Wasserstoff aus erneuerbarer Energie produziert werden. Gleichzeitig arbeitet der Kreis an einer entsprechenden Infrastruktur für Busse und Züge sowie an grenzüberschreitenden Wasserstoffprojekten.

Besonders bemerkenswert ist die Größenordnung der Förderung: Für das Wasserstoff-Cluster am Brainergy Park wird eine Förderung von 1,08 Milliarden Euro genannt. Für Projekte des Kreises selbst wurden nach Angaben des Kreises weitere 82 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund und Land genannt.

Das Geld allein garantiert allerdings noch keinen wirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend wird sein, ob daraus dauerhaft Unternehmen, Investitionen und Arbeitsplätze entstehen.

Modellfabrik Papier könnte Industriekompetenz sichern

Ein weiteres wichtiges Projekt liegt direkt in Düren.

Die Modellfabrik Papier soll neue, energie- und ressourceneffiziente Verfahren für die Papierindustrie entwickeln. Das Ziel ist, die Forschung möglichst schnell in die industrielle Praxis zu übertragen.

Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 68 Millionen Euro und soll bis Ende 2026 fertiggestellt werden. Angestrebt werden Technologien, mit denen der Energiebedarf der Papierindustrie langfristig massiv reduziert werden kann.

Das ist für Düren besonders interessant, weil die Papierindustrie traditionell zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Stadt gehört.

Statt die bestehende Industrie abzuschreiben, soll sie damit technologisch weiterentwickelt werden.

Düren bleibt Industriestandort

Das ist ein wichtiger Punkt: Der Kreis Düren startet wirtschaftlich nicht bei null.

Allein im Kreisgebiet arbeiten rund 15.600 Menschen im verarbeitenden Gewerbe. Noch größer sind die Bereiche wirtschaftliche Dienstleistungen sowie Gesundheit und Soziales.

Gerade die vorhandene industrielle Kompetenz kann zum Vorteil werden.

Die Frage lautet deshalb nicht zwingend „Industrie oder Zukunftstechnologien“, sondern vielmehr:

Kann aus der vorhandenen Industrie eine klimafreundlichere und technologisch modernere Industrie entstehen?

Bei der Papierindustrie wird genau dieser Weg bereits verfolgt.

Das größte Risiko: Die neue Wirtschaft kommt zu spät

Trotz aller positiven Projekte gibt es einen entscheidenden Unsicherheitsfaktor.

Der Strukturwandel muss zeitlich funktionieren.

Wenn alte Arbeitsplätze und Wertschöpfung schneller verschwinden, als neue Unternehmen und Arbeitsplätze entstehen, könnte die Region zunächst einen erheblichen wirtschaftlichen Rückgang erleben.

Der Kreis selbst beschreibt den Arbeitsmarkt 2026 weiterhin als herausfordernd. Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Digitalisierung und der Rückgang der Nachfrage in klassischen Industriebereichen werden demnach weiterhin eine Rolle spielen.

Die Zukunft: eher positiv – aber nicht automatisch

Wie fällt also das Urteil aus?

Kurzfristig ist die wirtschaftliche Lage des Kreises Düren eher angespannt. Die schwache Konjunktur, die steigende Arbeitslosigkeit und die vorsichtigen Erwartungen der Unternehmen sprechen derzeit nicht für einen schnellen Aufschwung.

Langfristig sieht es dagegen deutlich interessanter aus.

Der Kreis verfügt über mehrere große Standortvorteile: die Nähe zu Aachen und Köln, bestehende Industrie, das Forschungszentrum Jülich, eine gute Verkehrsanbindung und erhebliche Fördermittel für den Strukturwandel.

Dazu kommen konkrete Zukunftsprojekte in den Bereichen Wasserstoff, erneuerbare Energien, Papierforschung, Mobilität und neue Gewerbeflächen.

Unser Fazit

Der Kreis Düren steht wirtschaftlich nicht vor einem Absturz – aber auch nicht vor einem einfachen Aufschwung.

Die kommenden fünf bis zehn Jahre werden entscheidend.

Gelingt es, die neuen Projekte in dauerhafte Unternehmen, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung zu verwandeln, könnte der Kreis aus dem Braunkohleausstieg sogar gestärkt hervorgehen.

Scheitert dieser Übergang oder dauert er zu lange, drohen dagegen eine Lücke bei Arbeitsplätzen, Kaufkraft und kommunalen Einnahmen.

Unsere Einschätzung fällt deshalb vorsichtig optimistisch aus: Die Gegenwart ist eher schwierig, die Ausgangslage für die Zukunft aber überraschend gut.

Der Kreis Düren hat derzeit etwas, das viele Regionen im Strukturwandel dringend benötigen: nicht nur Pläne, sondern bereits konkrete Projekte, Forschungseinrichtungen und Investitionen. Ob daraus am Ende eine neue wirtschaftliche Stärke entsteht, wird sich allerdings erst in den nächsten Jahren zeigen.

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