Flüchtlinge ist das Wort des Jahres 2015 in Deutschland. Zu Zehntausenden sind Menschen vor Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat geflohen, nicht selten unter Einsatz ihres Lebens. Deutschland hat getan, was für jedes christlich geprägte Land eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Es hat die Hilfesuchenden gastfreundlich empfangen. Auch wir im Kreis Düren haben Asylsuchende wertschätzend begrüßt und viele Hebel in Bewegung gesetzt, um sie mit allem Notwendigen zu versorgen.
Wenn ich "wir" sage, dann meine ich die vielen Freiwilligen, die mit offenen Armen auf die Neuankömmlinge zugegangen sind. Auch die vielen Aktiven in den Hilfsorganisationen und Bedienstete in den Kommunen haben sich weit übers Maß für sie eingesetzt. Der Krisenstab des Kreises Düren schließlich hat es mit Unterstützung zahlreicher Fachfirmen aus der Region geschafft, den ehemaligen Bundeswehrstandort in Gürzenich beinahe über Nacht in ein gutes Quartier für Hunderte Menschen zu verwandeln. Gemeinsam haben sie alle bewiesen, dass Nächstenliebe kein leeres Wort ist!
Bis die Neuankömmlinge bei uns integriert sind, ist es noch ein weiter Weg. Sie werden viel Unterstützung brauchen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Wie gut, dass es bei uns so viele Menschen mit Gemeinschaftssinn gibt, bundesweit sind wir in punkto ehrenamtliches Engagement sogar Spitze. Bestätigt hat sich das vor kurzem einmal mehr, als der Linnicher Verein "Kultur ohne Grenzen" in Berlin mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet wurde.
Um die vielen Flüchtlinge zu integrieren, kommt es künftig verstärkt auch auf professionelle Förderung an. Etwa in Kindertagesstätten, an Schulen oder in der Wirtschaft. Wir Kommunen sind "nah an den Menschen dran" und übernehmen gerne weitere Aufgaben im Auftrag von Land und Bund. Großen Wert legen wir dabei auf eine auskömmliche Finanzausstattung. Es muss wieder der alte Grundsatz "Wer bestellt, bezahlt auch" gelten. Denn mittlerweile sind über Dreiviertel des Geldes in unserem Kreishaushalt für soziale Aufgaben bestimmt, auf die die Menschen einen rechtlichen Anspruch haben.
Für viele Flüchtlinge war Deutschland das Land ihrer Wahl; wir genießen hohes Ansehen in der Welt. Das ist nicht zuletzt den vielen Zuwanderern zu verdanken, die hier im Laufe der Geschichte heimisch geworden sind und die jeweilige Gesellschaft bereichert haben. Wer Flüchtlingen begegnet, sollte das vor Augen haben.
Wir im Kreis Düren bauen auf das Miteinander aller Menschen: So haben wir in Kreuzau das innovative NRW-Modellprojekt "Kein Kind zurücklassen" erfolgreich umgesetzt, das zurzeit Kreise zieht. Zudem wird die Kinderbetreuung auch 2016 weiter ausgebaut. Schul- und Förderschullandschaft sind bereits zukunftsorientiert aufgestellt, für Schülerinnen und Schüler gilt das Motto "Kein Abschluss ohne Anschluss". Unsere Initiative für Familie hat seit Jahren das Wohl aller Generationen im Blick. Und in Dutzenden Orten packen Jung und Alt gemeinsam an, damit "Unser Dorf hat Zukunft" weiterhin gilt.
Das sind nur einige Schlaglichter, die mich zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen. Allen, die sich so vorbildlich eingesetzt haben, danke ich herzlich. Engagieren Sie sich bitte auch in Zukunft zum Wohle anderer Menschen!
Ein glückliches und gesundes Jahr 2016 wünscht Ihnen und Ihrer Familie
Ihr Wolfgang Spelthahn
Landrat des Kreises Düren