Birkesdorf: Im St. Marien-Hospital hat ein patientenorientiertes Blutmanagement dazu geführt, dass Transfusionen mit Fremdblut von 2011 bis 2013 um 25 Prozent reduziert werden konnten.

In dieser Zeit stiegen zudem die Behandlungsfälle, sodass deutlich weniger Patienten mit Fremdblut behandelt werden mussten. Die Mediziner haben mit dieser Maßnahme die Sicherheit der Patienten im St. Marien-Hospital erhöht.
Denn die Fremdbluttransfusionen, die zum Beispiel während Operationen zum Einsatz kommen, bergen Risiken für die Erkrankten: Nach der Gabe von Blutkonserven sind vermehrt Schlaganfälle, Herzinfarkte, Infektionen und Nierenversagen möglich – neben der bekannten, inzwischen aber geringen, Möglichkeit, dass Blutprodukte mit Viren wie HIV und Hepatitis verunreinigt sein könnten.

„Dass Programme zur Einsparung von Fremdblut erfolgreich sein können und sich eine Vielzahl von Bluttransfusionen vermeiden lassen, haben nationale Programme in den Niederlanden und Australien vorgemacht“, erklärt Dr. med. Rainer Terhorst, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Transfusionsverantwortlicher im St. Marien-Hospital.
Um weniger Erythrozytenkonzentrate, also aus Blut gewonnene rote Blutkörperchen, einsetzen zu müssen, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Zunächst untersuchen die Fachärzte die Patienten auf Blutarmut. Diese liegt vor, wenn der Hämoglobinwert unter 12 Gramm bei Frauen und unter 13 Gramm bei Männern pro Deziliter Blut liegt. Hämoglobin ist der rote Farbstoff in den roten Blutkörperchen und es verteilt den Sauerstoff im Körper. Liegt Blutarmut vor, ermitteln die Ärzte die Ursachen, um sie anschließend zu behandeln, zum Beispiel mit Eisenpräparaten, da Eisenmangel ein häufiger Grund für Anämie ist.

Denn wenn ein Patient mit Blutarmut bei einer Operation auch noch Blut verliert, kann der Sauerstoffmangel schlecht ausgeglichen werden, eine Fremdbluttransfusion wäre notwendig.

Des Weiteren konzentrieren sich die Anästhesisten auf den Umgang mit Medikamenten, die auf die Blutgerinnung einwirken. Ob Gerinnungshemmer vor einem operativen Eingriff abgesetzt oder ersetzt werden müssen, hängt von der Art der OP und dem daraus resultierenden Blutungsrisiko ab, welches bei minimalinvasiven Eingriffen geringer ist als bei großen offenen Operationen. Das individuelle Blutungsrisiko ermitteln die Mediziner, indem sie die Medikamenteneinnahmen oder auch angeborene Ursachen und Vorerkrankungen vor der geplanten OP abklären.
Schließlich setzen die Ärzte im St. Marien-Hospital Fremdbluttransfusionen erst nach neuen, zurückhaltenden Entscheidungskriterien ein. Das bedeutet, dass sie ermitteln, welchen Blutverlust ein Patient individuell ausgleichen kann.

Dazu gehört auch zum Beispiel wiederum die frühzeitige Behandlung der Blutarmut, um diese Grenze zu erweitern.
Auftretende Blutungen werden zunächst chirurgisch gestillt, während der OP kann der Narkosearzt zudem das Blutungsrisiko senken, indem die Körpertemperatur ausreichend hoch bleibt, d. h. eine Auskühlung vermieden wird, und der Blutdruck niedrig gehalten wird.

„Wir empfehlen Patienten, die sich einem geplanten operativen Eingriff unterziehen werden, sich frühzeitig vor großen Operationen in den Ambulanzen der operativen Abteilungen vorzustellen, damit eventuell erforderliche Maßnahmen ergriffen werden können, um Fremdbluttransfusionen möglichst zu vermeiden“, so Dr. Terhorst.
Erythrozytenkonzentrate stehen für Notfälle zur Verfügung und können Leben retten, aber aufgrund der in den letzten Jahren gewonnen Erkenntnisse über Risiken von Fremdbluttransfusionen und auch, weil Blutkonserven nicht unbeschränkt zur Verfügung stehen, ist es sinnvoll bei geplanten Operationen ein patientenorientiertes Blutmanagement anzuwenden. Auch die Weltgesundheitsorganisation drängt darauf.

Die Transfusionsbeauftragten im St. Marien-Hospital sind: Oberarzt Alexander Breuer, die leitende Ärztin Martina Eichstaedt, Oberarzt Dr. med. Markus Huppertz-Thyssen, Dr. med. Edita Jankovic, der leitende Oberarzt Alexander Papendorf, Oberärztin Beatrix Tax und Chefarzt Dr. med. Frank Wegener.

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