Düren: Drei Tage elektronische Musik, mehr als 60.000 erwartete Besucher und ein entsprechend großer Bedarf an Hotels, Gastronomie, Einzelhandel, Transport und Dienstleistungen: Das Nibirii Festival ist längst nicht mehr nur eine Großveranstaltung am Dürener Badesee. Für die Region ist das Festival auch ein Wirtschaftsfaktor.
Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, lässt sich zumindest näherungsweise beziffern. Nach einer von der Stadt Düren genannten Einschätzung kommen rund 60 Euro je Festivalbesucher der heimischen Wirtschaft zugute. Bei mehr als 60.000 erwarteten Gästen für das diesjährige Festival ergibt sich daraus eine Größenordnung von etwa 3,6 Millionen Euro.
Wichtig dabei: Die 3,6 Millionen Euro sind keine offiziell ausgewiesene Umsatzbilanz des Nibirii 2026, sondern eine Hochrechnung auf Grundlage des genannten Pro-Kopf-Effekts. Tatsächliche Ausgaben und die konkrete regionale Wertschöpfung können davon abweichen.
Das Geld landet nicht nur auf dem Festivalgelände
Der wirtschaftliche Effekt eines Festivals entsteht nicht allein durch die Einnahmen des Veranstalters.
Ein Teil des Geldes fließt direkt in die Veranstaltung – etwa für Künstler, Technik, Personal, Sicherheitsdienste, Logistik, Catering und Aufbau. Ein weiterer Teil entsteht außerhalb des Festivalgeländes.
Gerade auswärtige Besucher benötigen während ihres Aufenthalts beispielsweise Lebensmittel, Getränke, Transportmöglichkeiten oder Übernachtungsmöglichkeiten.
Die Stadt Düren weist ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere Gastronomie und Einzelhandel vom Nibirii profitieren. Besucherinnen und Besucher versorgen sich während ihres Aufenthalts auch außerhalb des Festivalgeländes.
Hotels profitieren vom Festivalwochenende
Besonders interessant ist dabei der Übernachtungseffekt.
Das Nibirii zieht nicht ausschließlich Besucher aus Düren und dem unmittelbaren Umland an. Das Festival hat sich über die Jahre zu einer Veranstaltung mit überregionaler und internationaler Reichweite entwickelt.
Bereits 2024 berichtete Dueren-Magazin über Besucher aus 15 europäischen Ländern und über eine hohe Nachfrage nach Hotels und Supermärkten während des Festivalwochenendes.
Wer mehrere Tage bleibt, gibt entsprechend nicht nur Geld für das Festival selbst aus. Hotel, Frühstück, Supermarkt, Tankstelle, Taxi oder öffentlicher Nahverkehr können zusätzliche Umsätze erzeugen.
Auch das aktuelle Festival ist auf mehrtägige Aufenthalte ausgelegt: Der Campingplatz öffnet bereits am Donnerstag und bleibt bis Montag geöffnet. Für die An- und Abreise werden außerdem Shuttlebusse zwischen Dürener Bahnhof und Festivalgelände eingesetzt.
Auch regionale Unternehmen verdienen mit
Eine Veranstaltung dieser Größenordnung benötigt eine enorme Infrastruktur.
Nach Angaben der Stadt Düren werden für das Nibirii mehr als 100 Lastwagen eingesetzt. Auf einer Fläche von mehr als 10.000 Quadratmetern entstehen Bühnen-, Gastronomie- und Erlebnisbereiche. Rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit Aufbau und Bewirtschaftung beschäftigt.
Damit entstehen Aufträge beispielsweise für Logistikunternehmen, Veranstaltungstechniker, Sicherheitsdienste, Handwerksbetriebe, Caterer, Reinigungsunternehmen und weitere Dienstleister.
Der wirtschaftliche Effekt beschränkt sich deshalb nicht auf das Festivalwochenende selbst. Bereits Wochen vor der Veranstaltung beginnen Aufbau und Vorbereitungen.
Nibirii ist nicht gleichbedeutend mit 3,6 Millionen Euro Gewinn
Bei der Zahl von 3,6 Millionen Euro ist allerdings Vorsicht geboten.
Wirtschaftlicher Effekt bedeutet nicht Gewinn. Ebenso handelt es sich nicht automatisch um 3,6 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen für Stadt oder Kreis.
Die rund 60 Euro pro Besucher beschreiben vielmehr eine geschätzte zusätzliche Nachfrage beziehungsweise wirtschaftliche Wirkung in der heimischen Wirtschaft. Davon profitieren unterschiedliche Unternehmen und Branchen in unterschiedlichem Umfang.
Auch die Veranstalter selbst haben erhebliche Kosten. Künstlerhonorare, Technik, Bühnenbau, Personal, Sicherheitskonzept, Infrastruktur, Genehmigungen, Logistik und weitere Ausgaben müssen finanziert werden.
Eine bundesweite Studie zur Festivalwirtschaft zeigt zudem, wie schwierig die Kalkulation großer Musikveranstaltungen inzwischen geworden ist: Nur etwa 15 Prozent der untersuchten Festivals machten zuletzt tatsächlich Gewinn, während rund 30 Prozent mit einem Verlust abschlossen.
Auch der Badesee profitiert
Für den Dürener Badesee ist das Festival ebenfalls wirtschaftlich relevant.
In einem Dürener Haushaltsdokument wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Nibirii Festival für den Badesee eine wichtige Rolle spielt. Ohne die Einnahmen aus Großveranstaltungen wäre demnach eine Erhöhung des Tageseintritts notwendig gewesen.
Das zeigt: Der wirtschaftliche Nutzen beginnt bereits bei der Nutzung des Veranstaltungsortes selbst.
60.000 Besucher – rund 3,6 Millionen Euro Wirkung?
Die Rechnung ist schnell gemacht:
60.000 Besucher × 60 Euro = 3.600.000 Euro
Damit könnte das Nibirii 2026 nach der von der Stadt genannten Berechnungsgröße einen wirtschaftlichen Effekt von rund 3,6 Millionen Euro für die heimische Wirtschaft erreichen.
Und möglicherweise ist dieser Effekt sogar höher, wenn die tatsächliche Besucherzahl über der Marke von 60.000 liegt oder Besucher besonders lange in der Region bleiben.
Eine belastbare Antwort darauf wird allerdings erst möglich sein, wenn eine entsprechende wirtschaftliche Auswertung nach dem Festival vorliegt.
Ein Festival mit zwei Seiten
Das Nibirii bringt für Düren zweifellos wirtschaftliche Chancen: Hotels, Gastronomie, Einzelhandel, Dienstleister und zahlreiche weitere Unternehmen können vom Besucheransturm profitieren. Gleichzeitig entstehen für Stadt und Umfeld Kosten und Belastungen – etwa durch Verkehr, Sicherheit, Reinigung, Infrastruktur und die Einschränkungen für Anwohner.
Unterm Strich ist das Nibirii damit weit mehr als ein dreitägiges Musikfestival am Badesee. Es ist inzwischen ein Wirtschaftsfaktor für Düren und die Region. Die derzeitige Größenordnung: rund 3,6 Millionen Euro zusätzliche wirtschaftliche Wirkung – zumindest nach der von der Stadt genannten Pro-Kopf-Schätzung.
Eine echte Bilanz wird allerdings erst möglich sein, wenn nach dem Festival konkrete Zahlen zu Besucherherkunft, Übernachtungen, regionalen Aufträgen und tatsächlichen Ausgaben vorliegen.