Kreis Düren: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat sich bei einem Besuch im Kreis Düren einen persönlichen Eindruck der Entwicklung des Modellvorhabens „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ in der Region gemacht.

Zusammen mit Landrat Wolfgang Spelthahn eröffnete sie erst eine Foto-Wanderausstellung mit dem Titel „Gelingendes Aufwachsen“, die die Arbeit vor Ort in allen 18 Modellkommunen konkret dokumentiert. Anschließend traf sie auf 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreises, die bereits seit 2013 extra zum Thema Prävention geschult worden sind, um die Kreisverwaltung in allen Bereichen strategisch darauf auszurichten.

„Der präventive Ansatz kann nur funktionieren, wenn die erste Frage, die man sich stellt, lautet: ‚Was ist gut für das Kind?‘ – und zwar egal, aus welcher Perspektive geschaut wird. Und genau das passiert hier im Kreis Düren“, sagte die Ministerpräsidentin. „Die Antworten hierzu können ganz unterschiedlich ausfallen, je nach Entwicklungsstadium des Kindes. Es gibt da kein Schema F. Bekanntlich braucht es ja ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Dazu gehört auch die Verwaltung. Ich bin beeindruckt, wie engagiert alle Beteiligten sind. Hier ist mit dem Modellvorhaben ganz offensichtlich ein Ruck durch die komplette Verwaltungsstruktur gegangen. Sie alle sind die personifizierte Präventionskette.“

Im Kreis Düren zeigt sich, wie ein Wandel im Denken und Handeln schon kurzfristig Einspareffekte erzeugt. Durch die Reform der Kreisverwaltung wurden allein im Jahr 2014 Ausgaben in Höhe von 730.000 Euro vermieden, unter anderem durch eine bessere Vernetzung mit und Betreuung von Pflegefamilien, wodurch weniger Kindern in einem Heim untergebracht werden mussten.

„Ich gebe zu: Erst war ich skeptisch, was das Projekt betrifft. Heute aber bin ich begeistert“, sagte Landrat Spelthahn. „Vorbeugung ist ein ganz neuer Politikansatz, da können sich auch andere Bundesländer etwas abgucken. Ich bin stolz darauf, dass Kein Kind zurücklassen bei uns nicht einfach nur ein Slogan ist, sondern inzwischen Teil unserer Denke. Sie gehört zu unserer strategischen Ausrichtung und es ist erst der Anfang einer Entwicklung.“

Der Kreis Düren hat sich zum Ziel gesetzt, in allen 15 kreisangehörigen Gemeinden Präventionsketten aufzubauen. Bislang war Kreuzau hier die Pilotgemeinde. Ein Ziel war unter anderem, alle Kindertageseinrichtungen zu Bewegungskindergärten zu machen – was innerhalb von zwei Jahren auch gelungen ist.

Einer der Bewegungskindergärten ist das Familienzentrum St. Herbert, in dem rund 70 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren betreut werden. Hier konnte sich Ministerpräsidentin Kraft davon überzeugen, was einen Bewegungskindergarten ausmacht: viel Platz zum Toben, gezielte Ermunterung und Anleitung für täglich wechselnde Parcoursläufe im Turnraum oder auch die feste Zusammenarbeit mit dem örtlichen Fußballverein Winden.

„Kreuzau hat den richtigen Weg eingeschlagen“, sagte Ministerpräsidentin Kraft. „In den Bewegungskindergärten erleben die Kinder von klein auf: Bewegung macht Spaß! Sport in der Kita ist aber auch eine wirksame Vorbeugung. Jede wissenschaftliche Studie zu dem Thema belegt, dass eine gute körperliche Entwicklung auch die geistigen und sprachlichen Fähigkeiten fördert. Sport macht die Kinder also nicht nur für den Moment stark oder für die Schule, sondern für ihr gesamtes weiteres Leben.“

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter www.keinkindzurücklassen.de.

Hintergrund:

„Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ ist eine Kooperation der Landesregierung NRW mit der Bertelsmann Stiftung.18 Kommunen nehmen an dem Modellprojekt teil. Das Ziel: Sogenannte kommunale Präventionsketten aufzubauen. Das heißt, vorhandene Kräfte und Angebote werden gebündelt und Angebote der Bereiche Gesundheit, Bildung, Kinder- und Jugendhilfe und Soziales werden systematisch miteinander verknüpft.

Die teilnehmenden Kommunen sind Arnsberg, Bielefeld, Dormagen, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Gladbeck, Hamm, Kreis Düren, Kreis Unna, Kreis Warendorf, Moers, Mönchengladbach, Münster, Oberhausen, Witten und Wuppertal.