Vor rund 15 Jahren wurde die staatlich geförderte Riester-Rente eingeführt. Sie sollte Anreize liefern, privat für das Alter vorzusorgen, Geringverdiener sollte sie vor der Altersarmut bewahren. Doch die Riester-Rente steht in der Kritik und wird immer weniger nachgefragt. Erstmals seit 10 Jahren übersteigt die Zahl der gekündigten Verträge die der neu abgeschlossenen. Angesichts sinkender Zinssätze und düsterer Prognosen für die Rente fragen sich viele, ob sich das Riestern überhaupt noch lohnt.

Ist die Riester-Rente gescheitert?

Die Riester-Rente ist gescheitert – diese Einschätzung äußerten unlängst der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm und der CSU-Chef Horst Seehofer. Selbst die aktuelle Arbeitsministerin Andrea Nahles gab bereits zu, dass sich die Erwartungen an die Riester-Rente nicht wie geplant erfüllt haben. Nahles verspricht, die Riester-Rente mit einer Reform zu retten. Außerdem beteuert sie, dass Menschen mit einem abgeschlossenen Riester-Vertrag alles richtig gemacht haben. Doch viele Riester-Sparer sind skeptisch und überlegen, ihren Riester-Vertrag wieder zu kündigen. Die gesetzliche Rente wird bei vielen Menschen nicht reichen, um den gewohnten Lebensstandard zu sichern. Daher haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen für die Riester-Rente entschieden. Doch im ersten Quartal 2016 ist der Bestand an Riester-Renten erstmals gesunken. Die Anzahl sank zwar lediglich um 1.000 Verträge und liegt damit jetzt laut Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bei 16,48 Millionen Verträgen. Die Zahlen spiegeln jedoch eine deutliche Tendenz wider: Laut einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft lag die Zahl der neu abgeschlossen Riester-Versicherungsverträge 2015 bei 373.000. Die Gesamtzahl erhöhte sich allerdings nicht und beläuft sich nun auf rund 10,8 Millionen.

Staatliche Zulagen sind Hauptverkaufsargument

Bei der Riester-Rente erhält der Sparer Zulagen vom Staat. Um die zu bekommen, muss der Versicherte mindestens 4 Prozent seines jährlichen Brutto-Einkommens einzahlen. Wer diese Voraussetzung erfüllt, erhält vom Staat 154 Euro pro Jahr. Zusätzliche Zulagen gibt es, wenn Kinder vorhanden sind: 185 Euro pro Jahr, wenn der Nachwuchs vor 2008 geboren ist, 300 pro Jahr, wenn er danach auf die Welt gekommen ist. Das sind im Vergleich zu anderen privaten Geldanlagen gute Gewinne. Der Haken ist allerdings, dass für derzeit 3,7 Millionen Verträge keine Zulagen fließen. Die Versicherten zahlen keine oder zu geringe Beiträge ein. Für Geringverdiener, also diejenigen, die ohnehin nur eine schmale gesetzliche Rente zu erwarten haben, sind 4 Prozent vom Brutto-Einkommen oftmals schlicht zu viel.

Kündigen lohnt sich selten

Im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung kann die private Rentenversicherung jederzeit gekündigt werden. Dazu reicht es schon aus, ein Online-Formular wie dieses hier auszufüllen. Allerdings sollte dieser Schritt gut überlegt sein. Die Riester-Rente zu kündigen, kann mehr Geld kosten als einsparen. Wer seinen Riester-Vertrag kündigt, erhält den sogenannten Rückkaufwert. Bei einer vorzeitigen Kündigung, d. h. vor dem Ende der Laufzeit, kann der Rückkaufwert niedriger sein als die bereits eingezahlte Summe. Oftmals wird nämlich eine Abschlussgebühr zu Beginn der Laufzeit fällig, bei vorzeitiger Kündigung kommt dann noch eine Vorfälligkeitsentschädigung hinzu. Außerdem müssen staatliche Zulagen zurückgezahlt werden. Eine Kündigung lohnt sich daher nur in wenigen Fällen. Wer die Beiträge nicht weiter Monat für Monat aufbringen möchte, kann die Versicherung auf beitragsfrei stellen. Ein kleiner Teil der privaten Altersvorsorge bleibt so erhalten, Verluste durch Kündigung entstehen nicht. Wächst das Einkommen, dann kann die Beitragszahlung jederzeit wieder aufgenommen werden.

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